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Blitzlicht: Jahresbericht 2015 der Gleichstellungsbeauftragten: Warum braucht die Uni eigentlich noch eine Gleichstellungsbeauftragte?

Die Gleichstellungsbeauftragte Dr. Ina Sieckmann-Bock berichtet jährlich im Senat über den Stand der Dinge in Sachen Gleichstellung an der Universität Freiburg. Den Jahresbericht 2015 stellte sie am 29. Juni vor. Über die wichtigsten Ergebnisse des Berichts, Steigerung des Professorinnenanteils und Veranstaltungen im Jahr 2015, gibt sie hier Auskunft.

Ihre Auswertung der Daten des Jahres 2015 zeigt, dass der Anteil der Professorinnen an der Universität Freiburg 22 Prozent beträgt, werden die W1-Professuren (Juniorprofessorinnen) mitgezählt, liegt der Frauenanteil sogar bei 24 Prozent. Können Sie sich nun zufrieden zurücklehnen?

Ina Sieckmann-Bock: Im Jahr 2014 gab es an der Uni Freiburg 21 Prozent Professorinnen (ohne die W1-Professuren). Im Vergleich dazu konnten wir den Frauenanteil bei den Professorinnen im Jahr 2015 auf 22 Prozent bzw. auf 24 Prozent steigern, wenn die W1-Professorinnen mitgezählt werden. Wir sind zwar auf einem guten Weg, aber mit einer jährlichen Steigerungsrate von einem bzw. zwei Prozentpunkten sehr langsam und noch lange nicht bei einer gerechten Repräsentation von Frauen in der Wissenschaft angekommen. Und das, obwohl die Anzahl der Studentinnen seit vielen Jahren bei rund 50 Prozent liegt und Frauen die besseren Abschlüsse machen. Oberstes Ziel ist und bleibt daher Frauenförderung und der Abbau struktureller Benachteiligung von Frauen in der Wissenschaft. Es gibt also noch viel zu tun! Eine weitere Aufgabe der Gleichstellungsbeauftragten ist ihre Funktion als Ansprechperson bei Fragen in Zusammenhang mit sexueller Belästigung.

Sexuelle Belästigung gibt es doch nicht an der Uni. Und wenn doch, dann sind die Frauen doch selbst schuld!

Ina Sieckmann-Bock: Doch, es gibt sexuelle Diskriminierung und Belästigung und auch sexuelle Gewalt gegenüber Frauen an der Universität. Wir müssen davon ausgehen, dass sich längst nicht alle betroffenen Frauen bei uns melden und die Dunkelziffer wesentlich höher ist, als die uns bekannt werdenden Fälle. Studien zufolge kann davon ausgegangen werden, dass ungefähr jede zweite Studentin mindestens einmal in ihrem Studium sexuelle Belästigung erfahren hat. Die Folgen von sexueller Belästigung können für die Betroffenen verheerend sein und z. B. sogar zum Abbruch des Studiums führen. Ich als Gleichstellungsbeauftragte und Prof. Dr. Klaus Baumann aus der Theologie bieten bei Fragen in Zusammenhang mit sexueller Belästigung eine vertrauliche Beratung an (s. a. 7. Beauftragt). Darüber hinaus berate ich bei Fragen zur wissenschaftlichen Karriereplanung.

Für Männer gibt es kaum Beratungen und Fortbildungen zur Karriereplanung. Ist das nicht ungerecht?
Ina Sieckmann-Bock
: Beratungen und Fortbildungen speziell für Frauen für ihre Karriereplanung anzubieten, kann Sinn ergeben. Hier wird von positiver Diskriminierung gesprochen. Und diese ist rechtlich auch zulässig, weil sie Benachteiligungen von Mitgliedern einer Gruppe (in diesem Fall Frauen) beheben soll. Frauen werden hier also nicht bevorzugt, sondern es wird versucht bestehende Diskriminierungen abzubauen. Mit meinem Team im Gleichstellungsbüro organisieren wir über die Beratungsangebote hinaus auch Veranstaltungen zu gleichstellungspolitischen und gendersensiblen Themen, zu denen in den meisten Fällen alle Geschlechter eingeladen sind. Eine Übersicht über die Vielzahl unserer Angebote, von einer Fotoausstellung über Spitzenforscherinnen, Vorträgen zu verschiedenen Themen unter Genderaspekten und Fortbildungen für Nachwuchswissenschaftlerinnen finden Sie in meinem Jahresbericht.

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